Was mir kein Seminar beibringen kann
- Manuela Ulrich
- 30. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Kein Seminar, keine Ausbildung, kein Coach, kein Mentor, kein Buch konnte mir bisher beibringen völlig präsent zu sein.
Ich habe viel darüber gelesen, Seminare und Workshops besucht, zahlreiche wertvolle Tipps bekommen, Methoden ausprobiert, diese Präsenz jedoch im Alltag zu halten ist eine große Kunst - von der ich dachte sie äußert gut zu verkörpern.
Die Begleitung meiner beiden Söhne, das gemeinsame Leben erfordert doch immer wieder ein hohes Maß an Präsenz - und ja auch in diesem Bereich war ich äußerst zufrieden mit mir.
Man könnte also sagen, ich war ziemlich davon überzeugt diese Fähigkeit bereits gut integriert zu haben.
Bis ich ihm begegnete.
Einem Wesen, welches mir das Gefühl gibt, als gäbe es keinen Abstand zwischen Innen und Außen, welches sofort merkt, ob ich bei mir bin oder nicht.
Mein Pflegepferd Aranis.
Wenn ich versuche ruhig zu wirken, ohne innerlich ruhig zu sein, funktioniert es nicht. Wenn ich führe, ohne innerlich klar zu sein wird es holprig. Und wenn ich nicht bei mir bin, bin ich auch nicht bei ihm und kann auch nicht zuhören und verstehen.
Die gemeinsame Zeit mit ihm, ob bei der Bodenarbeit oder beim Spazieren lehrt mich jedes Mal aufs Neue, was verkörperte Präsenz wirklich ist. Nicht in der Theorie, nicht erzählt, sondern gefühlt und sofort gespiegelt. Fehlende Präsenz wirkt sich in der Situation aus, es gibt kein Überspielen, kein Schönreden und kein Sich-Selbst-Ausweichen.
Wir Menschen sind meist sehr schnell im Reagieren, im Tun und Verbessern, oft schon bevor wir noch wirklich gespürt haben. Doch manchmal darf es darum gehen, weniger zu wollen, erst einmal zu fühlen, im Moment völlig präsent zu sein und wahrzunehmen, ob etwas wirklich stimmig ist. Nicht perfekt, nicht "richtig", sondern stimmig - das ist ein Riesenunterschied.
Diese wirkliche verkörperte Präsenz ermöglicht uns dies erst überhaupt. Ganz da zu sein, zu spüren und zu bleiben und ja - auch wenn es unangenehm oder unsicher wird.
Erst kürzlich kam ich mit Aranis in eine spannende Situation. Als wir draußen spazierten, war er - als typischer Isländer ein wenig übermütig durch den Schnee und drehte ein wenig auf. Er riss sich los und stürmte ein Stück davon.
Was tat ich also?
Ich blieb präsent.
Mein Herz klopfte, mein Körper wurde nervös, aber ich blieb präsent und beruhigte mich innerlich.
Was tat er also?
Er kam zurück.
Nicht weil ich irgendwas richtig machte in dem Moment, sondern weil ich präsent war, ein Anker, ein sicherer Ort.
Manchmal geht es nicht um die richtige Technik oder Methode. Manchmal geht es einfach darum einen Raum, welcher sich gerade auftut und zeigt, präsent zu halten.
Nichts hinzuzufügen, nichts richtig machen zu wollen.
Manchmal lässt sich das Wesentliche nicht lernen. Es zeigt sich. Oder eben nicht.





Kommentare